Geothermie Landau

Die unendliche Geschichte 13.03.17

Was einmal als die Entdeckung des Steins der Weisen gefeiert wurde, dümpelt jetzt im wahrsten Sinne des Wortes als leckgeschlagenes Wrack der Energiewende vor den Toren des südpfälzischen Mittelzentrums Landau vor sich hin – das Geothermie - Kraftwerk der „geo – x GmbH“, letztendlich im Eigentum des selbsternannten Geothermie - Papstes Joseph Daldrup. Ein Ende des Dramas ist nicht absehbar, denn die Verantwortlichen der Stadt Landau, allen voran der ansonsten so eloquente OB Thomas Hirsch (CDU), immer an vorderster Front kämpfend wenn es um die Interessen „seiner“ Stadt geht, hüllen sich in pikiertes Schweigen wenn er Fragen zur Zukunft des Pannenkraftwerks beantworten soll. Offensichtlich unfähig, oder sollte man besser sagen, unwillig an der Situation etwas ändern zu wollen, scheinen die Verantwortlichen immer noch mit einer Wiederinbetriebnahme zu liebäugeln.

Vor drei Jahren, am 13.03.2014, eskalierten die jahrelang ignorierten und schöngeredeten Probleme mit dem GKW in unübersehbaren Rissen in der Straße vor dem Kraftwerkseingang in der Eutzingerstraße, direkt am Landesgartenschaugelände, dem jetzigen Wohnpark am Ebenberg. Wie Untersuchungen inzwischen offenbarten, waren der Grund für die Risse Bodenhebungen und Bodenverschiebungen in besorgniserregendem Ausmaß, die, entlang der Bruchkanten im Untergrund, bis nach Edesheim im Norden ausstrahlten. Betroffen von diesen Bewegungen war insbesondere die Bahnlinie der Queichtal - Bahn, deren Bahnkörper in einem Graben direkt vor dem Kraftwerk verläuft. Grundwasserverunreinigungen durch Arsen gaben Anlass zur Befürchtung, dass das Trinkwasser der Stadt gefährdet sein könnte. Das Kraftwerk wurde daraufhin auf Basis einer einvernehmlichen Vereinbarung des Bergamts mit dem Betreiber abgestellt.

Zwar ist die Schadenserkundung immer noch nicht vollständig abgeschlossen weil, laut Auskunft des Bergamts, wichtige Auflagen die infolge der Abstellung durch die Bergbehörde angeordnet worden waren, nach wie vor nicht durch den Betreiber erfüllt worden sind, doch kamen nach der Abstellung erschreckende Details ans Tageslicht die befürchten lassen, dass die Schäden an der Infrastruktur wesentlich größer sind, wie das von der Stadt Landau bislang eingeräumt wird.

Wie es in der Geothermie – Branche inzwischen guter Brauch ist, unterstellt Daldrup seinen einstigen Geschäftspartnern, das sind die Altgesellschafter der „geo-x“, die „Energie Südwest“ (ESW) und die „Pfalzwerke“, von diesen beim Verkauf von 90% der Anteile an die „Geysir – Europe GmbH“, einem Daldrup Unternehmen, über die Zustände des Kraftwerks im unklaren gelassen und damit getäuscht worden zu sein. Der Kraftwerksbetrieb sei zwischen 2010 und dem Zeitpunkt der Abstellung nur deshalb möglich gewesen, weil Sicherheitseinrichtungen vermutlich manipuliert oder außer Funktion gesetzt gewesen sein sollen. Diese Aussagen machten Vertreter des Unternehmens „Daldrup“ anlässlich einer Sitzung vor dem Landauer Landgericht wo „Daldrup“ gut bekannt ist, da das Familienunternehmen mit der Geschäftsform einer AG auch schon einmal wegen nichtbezahlter Stromrechnungen einen Prozess verloren hat. Daldrup hat seine ehemaligen Partner auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt, war aber bisher damit nicht erfolgreich. Interessant war auch die Tatsache, dass die mit der Betriebsführung beauftragte Firma, die Pfalzwerketochter „Bestec Services GmbH“, jahrelang Messwerte nicht ausgewertet hat, dafür allerdings monatlich ca. 13.000€ für einen Werk- und Wartungsvertrag kassierte. „Böse Zungen“, auch aus dem Mutterhaus der Geothermie in Ascheberg, behaupten das Geld sei zur Alimentierung des damaligen Geschäftsführers der „Bestec Services“, Prof. Baumgärtner, eingesetzt worden, dessen Leistungen doch als „sehr überschaubar“ zu bezeichnen seien. Daldrup wirft seinem ehemaligen Geschäftspartner inzwischen „Janusköpfigkeit“ vor.

Dilettantismus wohin man schaut, denn  auch der oberirdische Betrieb der der Aufsicht der SGD – Süd unterliegt, war von Fehlleistungen und Unfähigkeit gekennzeichnet. Bei einer Kontrolle der SGD – Süd gemäß der Betriebssicherheitsverordnung konnte der für den Betrieb verantwortliche Mitarbeiter der „Geysir – Europe“ vorgeschrieben Dokumente nicht vorweisen. Daldrup musste unter Androhung eines Zwangsgelds nacharbeiten und offenbaren, dass er und seine Mitarbeiter von den Reglungen zum Betreiben eines Störfallbetriebs keine Ahnung hatten. Da wundert es nicht, dass gemäß einer Auskunft der SGD – Süd, die Geschäftsführer der Betreibergesellschaft keine besondere Qualifikation nachweisen müssen.

Momentan macht das Pannenkraftwerk Schlagzeilen wegen der Lagerung schwach radioaktiver Abfälle die über Jahre in einer Garage abgestellt worden waren und jetzt in einem eingezäunten Container, ohne Kennzeichnung, auf ihren Abtransport warten.

Zwischenzeitlich baut der örtliche Energieversorger ESW eine Heizzentrale auf dem Gelände des aufgelassenen Löschwasserteichs des Kraftwerks und schafft damit die Voraussetzung für eine Wiederinbetriebnahme des GKW´s, an dem die ESW noch mit 10% beteiligt ist. Die bisherige Redundanzanlage im Quartier Vauban reicht in Zukunft nicht mehr aus um das sich entwickelnde Neubaugebiet mit Wärme zu versorgen. Das lässt vermuten, dass die Geschichte immer noch nicht zu Ende geschrieben ist. Immerhin ist der OB der Stadt Landau als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender eng mit der ESW verknüpft, die auf Grund von Förderungen der öffentlichen Hand bei ihren Kunden in der Pflicht steht Wärme aus regenerativer Energiegewinnung zu liefern. Da spielt es keine Rolle, dass eine Fehlentwicklung der Energiewende einen vermutlich beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht hat und die Schäden aus der Vergangenheit immer noch nicht reguliert sind. Die Rechnung zahlt wie immer das schwächste Glied in der Kette, der Steuerzahler.

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