Geothermie Landau

„Heiße Quellen aus der Tiefe“ 28.06.12

Stellungnahme zu Bericht“ Heiße Quelle aus der Tiefe“

Originaltext aus der "Die Lokale", Sonderausgabe ENERGIE PLUS, Juni 2012

Interview mit Herrn Dr. Lerch, Geschäftsfürer der geo x GmbH
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Unser Stellungnahme
(Anmerkung: direkte Widersprüche sind gelb unterlegt)

Mit größtmöglichen Worthülsen und blumigen Standardphrasen der Geothermie-Lobby soll dem Leser ein „Dialog“ mit „größtmöglicher Transparenz“ vorgegaukelt werden.

Dr. Lerch: „[...]wenn man die Transparenz wahrt, kann man die Bürgerinnen und Bürger auch mitnehmen, um die Erdwärmetechnologie in die Zukunft zu tragen". [...]Ein Dialog zwischen Kraftwerksbetreibern und Bürgerschaft sowie zwischen Befürwortern und Geothermie-Gegner musste in die Gänge kommen. Man habe aus der Vergangenheit gelernt."

Das soll den Leser wohl von den tatsächlichen Vorgängen ablenken. Den „Dialog" mit der geo x GmbH und dem 50% Eigentümer an der geo x GmbH, der EnergieSüdwest, wurde Mitte 2010 von der BI Landau initiiert und nicht von der geo x GmbH!

Nachdem Herr Dr. Lerch die üblicherweise zugrundeliegenden Regularien solcher Gespräche missachtete, sind die Gespräche kürzlich in der bisherigen Form beendet worden.

Frage "Die Lokale": haben Sie Ihren Job gerne übernommen?

Dr. Lerch: „Ja, weil es für uns eine Herausforderung war, eine größtmögliche Transparenz in die Diskussion reinzubringen [...]"

Richtig ist:
Die Bevölkerung wird über die tatsächlichen Gefahren und Risiken nicht informiert. Fragwürdige Gutachten, beispielsweise zur Verlängerung der Betriebserlaubnis nach den signifikanten Beben von 2009, werden zu 50% geschwärzt vorgelegt. Genehmigungs-Dokumente, Zulassungen und Betriebspläne bis zum heutigen Tage nicht veröffentlicht. Schadensmeldungen von fragwürdigen, nicht unabhängigen „Gutachtern" bearbeitet.

In Landau bestreitet sogar der Geothermie-Betreiber-im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens Verursacher der mittlerweile 40 induzierten Erdbeben zu sein, obwohl das Bergamt in Mainz, die Landesregierung und verantwortungsvolle Experten die geox GmbH als Verursacher eindeutig benannt haben.

Eingegangene Schadensmeldungen will die geo x GmbH nur anonymisiert der BI Landau vorlegen. Da die geo x GmbH ihre Glaubwürdigkeit gänzlich verwirkt hat, ist die Verifikation der Angaben und Aussagen der geo x GmbH bei den Betroffenen durch Offenlegung der Schadensmeldungen erforderlich.

Frage "Die Lokale": Die aus Landau gefürchteten Erdbeben gab es bisher noch nicht beim Insheimer Kraftwerk. Warum?

Herr Dr.Lerch: „Das hat mit einem technischen Trick zu tun [...] Damit ist das seismische Risiko weitaus geringer"

Fakt ist:
Vom 8.05.2009 bis 15.04.2010 wurden 10 induzierte Erdbeben registriert. Quelle: lgb-rlp.de

Nach den Beben vom April 2010 erhielt die BI Steinweiler und BI Landau zahlreiche Schadensmeldungen aus Insheim. (siehe hierzu Lageplan Insheim).

Der angesprochene „Trick" ist noch nicht unter Betriebsbedingungen getestet worden. Ob der „Trick" überhaupt funktioniert, darf bezweifelt werden. Besonders dreist ist die Darstellung, es gab keine induzierten Erdbeben in Insheim.

Das das seismische Risiko geringer sei, ist eine nicht belegte Behauptung.

Dr. Lerch: „[...]Wir können das ganze Jahr laufen. Wir sind unabhängig von Witterungsverhältnissen. Wir sind 24 Stunden am Netz"

Richtig ist:
Bei sogenannten „Wartungsarbeiten" oder „Instandhaltungsarbeiten" stand das GKW Landau in den letzen Jahren mehrfach. In 2011 mehrere Monate. Wir nennen das Betriebsstörungen.

Bei sommerlichen Außenlufttemperaturen reduziert sich die Anlagenleistung, weil die warme Umgebungs-Luft die erforderliche Kühlleistung nicht mehr ermöglicht. Die Kraftwerksleistung reduziert sich somit um bis zu 50%.

Dem „fokus energie" teilte Herr Hauffe (1), dass die Stromerzeugung abhängig von den Aussentemperaturen ist. Je kälter die Luft, desto besser und je kälter das Isopentan ist, umso mehr Energie kann es aus dem Tiefenwasser aufnehmen und an die Turbine weitergeben. „Im Sommer schaffen wir deshalb nur noch eine Leistung von 1,6 MW oder so", sagt Peter Hauffe. (Nennleistung Stromerzeugung 3 MW)

Bis zu 90% der dem Thermalwasser entzogenen Wärme wird über Rückkühler an die Umwelt abgegeben. Ein Beitrag zur Klimaerwärmung und ein verantwortungsloser Umgang mit unseren Ressourcen.

Fernwärme für Insheim. Ökologisch elegante Lösung?:

Dr. Lerch: „[...]Wir werden mit der Gemeinde weiterhin gemeinsam überlegen, wie man die Fernwärme nutzen kann. [...] Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, wenn das Kraftwerk am Netz ist"

Richtig ist:
Verschwiegen wird, dass der Gemeinderat den Ausbau eines Fernwärmenetzes wegen der Kosten von EUR 600.000,00 ablehnte. Auch ist kein Abnehmer in Sicht.

Weiterhin ist bei der Fernwärme aus Geothermie ein weiteres konventionelles Kraftwerk notwendig, um bei Ausfall des Geothermie-Kraftwerkes oder bei Lastspitzen die Fernwärmeversorgung zu gewährleisten. Andere Geothermie-Fernwärmenetze zeigen, dass die Fernwärme 1,5 bis 2-fach teurer ist als alternative Wärmeerzeugung.

Besonders dilettantisch ist die Vorgehensweise. Erst wird ein Kraftwerk gebaut, dann werden sich Gedanken über die Abnehmer gemacht.

Frage "Die Lokale": Wie effizient ist die Erdwärmetechnologie......?

Dr. Lerch: Wir verbrauchen von dem Strom den wir erzeugen etwa 25%. Das ist relativ viel"

Richtig ist:
Der Eigenverbrauch liegt bei der Stromerzeugung zwischen 30% und 60%. Der Netto-Wirkungsgrad liegt zwischen 5-7%. Die TU Berlin spricht von 6%. Damit ist auch in Zukunft diese Technologie kein Beitrag zum Energiemix und bleibt unbezahlbar.

Die verstromte Erdwärme wird zu 100% ins Netz zu den hohen EEG-Vergütungssätzen eingespeist. Für den Eigenbedarf, also für Pumpen und Rückkühlung, darf der billige Industriestrom, auch von Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken, genommen werden.

Dr. Szablinski, geofuture GmbH, Pfalzakademie im GKW Landau, 10.02.12:
Den erzeugten Strom geben wir zu 100% ins Netz."

Demnach wird der Eigenverbrauch vom Netz eingespeist.

gez. W. Müller

Hinweis:

(1) Geschäftsführer geo x GmbH:

  • Herr Dr. Menzel bis Juni 2009 
  • Herr Hauffe: bis Juni 2010
  • Frau Dr. Rogulic: August 2009 bis Januar 2011
  • Herr Dr. Lerch: ab Febr. 2011

Anhang

» Interview als PDF
» Übersicht Erdbeben in Insheim als PDF

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