Geothermie Landau

Stellungnahme zum Artikel "Keine Gesundheitsgefahr" (RP 28.04.2012) 31.07.12

Stellungnahme zum Artikel

 „Keine Gesundheitsgefahr“ Rheinpfalz vom 28.04.2012

Geothermieanlagen-Betreiber führt TÜV-Gutachten gegen Radon-Vorwürfe an.

Fette Schrift: Stellungnahme

„ Wir lassen am Kraftwerk und an fünf weiteren Punkten die Radonkonzentrationen schon seit 2007 regelmäßig messen, zuletzt im Nov. 2011 durch den TÜV. Alle Messungen haben gezeigt, dass vom Kraftwerk keine gesundheitsschädlichen Gefahren ausgehen“ Mit diesen Worten reagiert Chr. Lerch, Geschäftsführer des Geothermieanlagen –Betreibers geo x GmbH, auf einen Rheinpfalz-Artikel vom 20. April.

Wieder eine pauschale, unglaubwürdige und nicht belegte Aussage des Herrn Dr. Lerch.

Unter der Überschrift „ Radon- eine unsichtbare Gefahr“ ging es um Messungen, die die (…) BI Geothermie Landau vermittelt“. Lerch betont, dass das Landesamt für Bergbau und Geologie seit langem darauf hinweise, dass die natürliche Radonbelastung in Landau erhöht sei und dass dies sicher nichts mit der Geothermie zu tun habe“

Richtig ist, dass die natürliche Ausgasung von Radon im Bereich der Bruchkanten des Gebirges in Landau, besonders im Süden und Südwesten und auch im Bereich der künftigen Landesgartenschau, signifikant hoch ist.

(www.lgb-rlp.de, Lageplan Schadensmeldungen , Radon BI Landau)

Herr Dr. Lerch verschweigt allerdings, das die Migration von Radon aus der Erdkruste an die Erdoberfläche durch Bodenbewegungen bzw. Erdbeben begünstigt werden kann. ( Dr. Rein: „ Bodenbewegungen begünstigen die Migration an die Erdoberfläche“, Dr. Rein erstellt im Auftrag der Landesregierung die Radon-Prognose Karten)

Siehe hierzu auch die e-mail der BI an das LGB-RLP:

„ Erdbeben-Schäden, Radon, Ausgasungen-Auswirkungen der Tiefenwasser-Reinjektion.

 

Unter anderem weil die BI (…) den Vorwurf erhoben habe, der Thermalwasserdampf enthalte gesundheitsschädigende Substanzen, habe das Bergamt dem Betreiber empfohlen, ein Gutachten in Auftrag zu geben.“

Hierzu siehe unsere Stellungnahme zu „Immissionsprognose für Radionuklide“

Die Geothermie-Lobby verwendet gern den Begriff Thermalwasserdampf. Diese Bezeichnung soll offensichtlich suggerieren, es handelt sich hier um ein gesundheitsförderndes Heilwasser.

Zutreffender ist: Tiefenwasser ist mit gesundheits- und umweltschädlichen Inhaltstoffen belastet, die sich auch im emittierten Dampf wiederfinden können.

„(…) In Landau wurde im August und September vergangenen Jahres gemessen. Mehrfach zu unterschiedlichen Zeiten, bei unterschiedlichen Wind-und Wetterverhältnissen und Betriebsmodi, in denen der Druck immer anders war“ so Lerch.

In dem fragwürdigen Gutachten „ Immissionsprognose für Radionuklide, Kreislaufbetrieb“ sind die von Herrn Lerch beschiebenen Messungen bei unterschiedlichen Betriebsmodi nicht dokumentiert.

Sind diese Angaben frei erfunden oder ist das Gutachten an dieser Stelle ebenfalls lückenhaft?

Es wurden nach Gutachten nur zwei Proben bei artesischem Betrieb und sogar nur eine Probe bei Pumpenbetrieb genommen. Zwischen artesischem Betrieb und Pumpenbetrieb ( bei unrealistischem Volumenstrom) ist die Radionuklid-Belastung von Rn222 um den Faktor 3,9 größer.

Wir befürchten, dass bei realistischem Volumenstrom, wie bei Störungen beobachtet, die Immissionen in bedenklich hoher Konzentration vorhanden sind.

 

„ Laut Prüfbericht ( so Lerch), der 147 Seiten umfasst (…) kommt der TÜV zu dem Ergebnis, dass (…) eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit (…) nicht besteht.

 

Das Gutachten umfasst 33 Seiten, der Rest sind Anlagen mit Tabellen ohne direkten Informationswert. Offensichtlich geht man bei der Geothermie-Lobby weiter davon aus, je mehr Seiten ein sogenanntes Gutachten aufweist umso mehr Informationen sind enthalten und beindrucken den Leser.

 

 (….) Dass durch die BI vermittelte Messungen zum Teil sehr viel höhere Werte ergeben hatten, ist für Lerch kein Widerspruch“

Unterstellen wir, dass Herr Lerch die Unterschiede zwischen Bodenbelastung und Raumluftbelastung kennt, versucht er hier offensichtlich abzulenken. Die in geschädigten Gebäuden gemessene Radonbelastung der Raumluft sind nicht mit der Radon-Belastung der Bodenluft (Ausgasungen an der Erdoberfläche) zu verwechseln.

Hierzu siehe auch: email an Herrn Dr. Ehses

 

(….)Das Bergamt weist dezitiert auf tektonische Bruchzonen hin, die in und um Landau für lokal erhöhte Radonwerte verantwortlich seien. „ Da Radon jedoch eine Halbwertzeit von nur vier Minuten hat, ist die beste Methode das Lüften. In einem gut belüfteten Keller werden Sie kein Radon messen.

 

Hier irrt Herr Lerch.  Die erhöhten Radonwerte in geschädigten Gebäuden übersteigen den von der WHO und der deutschen Strahlenschutzkommission festgesetzten Richtwert für die Raumluft von 100 Bq/m³, nach den bisher durchgeführten Stichpobenmessungen im Erdgeschoss, um das 18-fache. Kontrollmessungen im Erdgeschoss ergaben sogar 1.800 Bq/m³

 

Erste Hinweise untermauern unsere Befürchtung, dass durch das Zurückdrücken des Tiefenwassers (Vorgehensweise ähnlich wie beim Fracking) und die dadurch verursachten Bodenbewegungen die Radon-Konzentrationen und der Austritt von umweltschädlichen Gasen-wie beispielsweise Methan- im Bereich der tektonischen Bruchzonen und im Bereich der Reinjektion, signifikant erhöht wird.

Hinweis: In Italien wird die erhöhte Ausgasung von Radon-durch Bodenbewegungen vor einem Erdbeben- zur Erdbebenvoraussage genutzt.

 

Zur Erinnerung: Radon ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem natürlich vorkommenden, radioaktiven Schwermetall Uran entsteht. Uran ist, wenn auch nur in geringer Konzentration, überall in der Erdkruste vorhanden, weshalb auch Radon als dessen Folgeprodukt dort überall entsteht. Das gasförmige Radon gelangt mit der Bodenluft über Klüfte und den Porenraum im Gestein und Boden in Gebäude.

Ist das Radon erst im Gebäude lagern sich die ebenfalls radioaktiven metallischen Zerfallsprodukte an feinste Staubpartikel in der Raumluft an und können lange Zeit in der Luft schweben und eingeatmet werden.

Radioaktive Stoffe wie Radon und seine Zerfallsprodukte senden ionisierende Strahlen aus, die die Zellen eines lebenden Organismus schädigen können. Beim Atmen werden die lufttragenden Aerosole mit den anhaftenden Radonfolgeprodukten hauptsächlich in den Bronchien der Lunge abgelagert. Die radioaktiven Radon-Folgeprodukte zerfallen dort in der direkten Nähe  der Zellen und schädigen dadurch das empfindliche Lungengewebe. Radon und seine Folgeprodukte verursachen etwa 40% der natürlichen Strahlenbelastung. Sind Menschen langfristig und dauerhaft dieser Strahlung ausgesetzt können daraus erhöhte Risiken einer Erkrankung an Lungenkrebs resultieren.

Quelle: Landesamt für Geologie und Bergbau RheinlandPfalz.

Weiterlesen: www.lgb-rlp.de/radonprognosekarte.html

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