Geothermie Landau

Landau in den Fängen von Inkompetenz und Kungelei? 10.07.15

„Heißer Streit um kaltes Kraftwerk“ betitelte „Die Rheinpfalz“ einen Artikel im Landauer Lokalteil, der sich mit einem Gerichtstermin am 08.07.2015 beschäftigte. Vorm Landauer Landgericht wurden zwei Klagen verhandelt, bei denen es auf den ersten Blick lediglich um unbezahlte Rechnungen ging. Beklagte war in beiden Verfahren die geo-x GmbH, die Betreiberin des Geothermie-Kraftwerks in der Eutzingerstraße.

Die Hintergründe sind entscheidend!

In Wahrheit wurden jedoch hier die vermeintlichen Hintergründe verhandelt, die mit zur Eskalation der Bodenbewegungen beigetragen haben sollen. So sieht es jedenfalls die Beklagte respektive deren Vertreter. Bei allem Eifer des Beklagtenvertreters RA Dr. Wiengarten ist es ihm aber nicht gelungen den Verantwortlichen der geo-x, die aus dem Umfeld des Unternehmers Daldrup stammen, die höheren Weihen der Kompetenz angedeihen zu lassen.

Die geo-x GmbH will ihre Rechnungen nicht bezahlen!

Vordergründig geht es um einen Dienstleistungsvertrag der zwischen der geo-x GmbH und der BESTEC GmbH, der bis Ende 2009 Bestand hatte. Über diesen Vertrag wurden Aufgaben geregelt, die der Betreiber mangels eigenen Personals nicht selbst erledigen konnten. Schon alleine die Tatsache, dass die BESTEC GmbH sich im Eigentum des damaligen Mitgesellschafters an der geo-x, den Pfalzwerken, befindet und es vermutlich Absprachen mit dem zweiten Gesellschafter der ESW über die Aufgabenverteilung gab, kann man als ausgesprochen grenzwertig empfinden. Da hilft es auch nicht wenn sich die damalige Geschäftsführerin der geo-x, Fr. Dr. Rugolic, das Alleinstellungsmerkmal eines Pilotprojekts bemüht und behauptet, es hätte sich keine Alternative finden lassen. Im Widerspruch dazu steht dann allerdings ihre Aussage, dass es sich bei diesem Dienstleistungsvertrag nicht um einen pauschalen Betriebsleitungsvertrag gehandelt habe.

Zum Umfang dieses Dienstleistungsvertrags gehörte neben diversen Wartungs- und kleineren Reparaturleistungen, die Erfassung und Auswertung von sensorisch erfassten Messdaten der Betriebsparameter und deren graphische Darstellung. Bis zum Auslaufen des Vertrags wurden dafür ca. 3000€ an monatlichen Zahlungen fällig. Bei allen Vorbehalten, ein in der Branche durchaus üblicher Preis. Der Aufwand dafür ist ausgesprochen gering, denn das angewendete MCPS (Multy Chanel Process System) erlaubt es die in sogenannten Daten-Loggern gesammelten  Prozessdaten  in Sekundenschnelle auszulesen, zu transformieren und in entsprechenden Programmen aufzuarbeiten und graphisch darzustellen. Das ist alles schon seit langem Stand der Technik. Die Interpretation dieser Daten ist nicht Teil dieses Dienstleistungsvertrags, sondern obliegt dem jeweiligen Verantwortlichen des Betreibers.

Neuer Vertrag bringt Vervielfachung der Kosten! 

Nachdem Fr. Dr. Rugolic im August 2009 vermutlich so stark an der Druckerhöhungsschraube des Re-Injektionskreislaufs drehte, dass Landau erbebte und die Bürger in der Nachbarschaft mit viel Glück wohl an einer Katastrophe vorbeischrammten, sah sich die „besorgte“ Betriebsleiterin genötigt, den Dienstleistungsvertrag zu überarbeiten. Fleißig erstellte sie während ihrer 8-10 stündigen Anwesenheit in ihrem Büro auf dem GKW-Gelände Tabellen als Basis für einen nach Service Level Agreement-Vorgaben (SLA) zu erstellenden neuen Dienstleistungsvertrag, in dem der angebliche Mehraufwand berücksichtigt werden sollte. „Klar“, dass sich der Preis ab 2010 versechsfachte und jetzt monatlich 18000€ an die BESTEC GmbH bzw. deren Tochter BESTEC-Services GmbH zu zahlen waren. Offensichtlich bestand der erhöhte Aufwand darin, jetzt an zwei Geschäftsführer, Herrn Dr. Baumgärtner (BESTEC) und Herrn Hettkamp (BESTEC Services) Gehälter überweisen zu müssen, denn am Vertragsinhalt hatte sich nach Bekunden der Beklagten so gut wie nichts verändert.

Rührend war der Versuch von Fr. Dr. Rugolic ihr persönliches Engagement in die Waagschale zu werfen und diesen als Mehraufwand zu verkaufen. Fr. Dr. Rugolic sei ins Stammbuch geschrieben, dass genau das ein Teil der Aufgaben ist, für die sie eigentlich  bezahlt wurde. Geschäftsführer(innen) werden nämlich nicht nur dafür entlohnt, dekorativ auf Empfängen herumzustehen.

Neuer Geschäftsführer – neue Verträge!

Leider konnte Fr. Dr. Rugolic die Früchte ihrer Arbeit nicht mehr genießen, räumte sie doch schon im Februar 2011 ihren Stuhl und machte Platz für einen Mann vom Schlage „eines Ingenöörs, dem nix zu schwöör“, dem allseits bekannten Herrn Dr. Lerch, einem Dampfplauderer der alten Schule, der viel redet aber wenig sagt. Lerch war es offensichtlich Wurst welche Verträge zwischen Betreiber und Dienstleister bestanden und von welcher Qualität die von ihm mit monatlich 18000€ honorierten Leistungen waren. Immerhin war der Fachkraft mit Rufbereitschaft, einem Elektromeister, pardon Elektroniker-Meister, die Anzahl der von ihm zu überwachenden und auszuwertenden Sensoren auf Befragen nicht präsent. Dafür war er zugegebener Maßen telefonisch mit dem Rechtsanwalt der Klägerin BESTEC in Kontakt und war wie durch ein Wunder per Mail an wichtige Prozessunterlagen gekommen. Leider war ihm der Absender entfallen. Ob er für BESTEC oder deren Tochter BESTEC Services arbeitete, war ihm nach eigenem Bekunden egal, es sei eh die gleiche Firma.

Kompetenz-Getue der neuen geo-x Inhaber ist lächerlich!

Auf den ersten Blick mag es verständlich sein, dass die neuen Eigentümer der geo-x, die Geysir Europe GmbH, zu 75% im Besitz der Daldrup & Söhne AG, 22% gehören dem bei der Verhandlung anwesenden Geschäftsführer Curd Bems, angesäuert reagierten, denn nach deren Auffassung hat die BESTEC selbst die vertraglich fixierte Minimalleistung nicht erfüllt, nämlich das wöchentliche Auslesen der Daten-Logger und die Aufbereitung der Werte. Dadurch sei man der Möglichkeit beraubt worden, die eskalierenden Ereignisse rund um das GKW rechtzeitig zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern. Das ist einfach lächerlich, denn offensichtlich hat Bems und seine Mannschaft sich mindestens ein halbes Jahr lang nicht darum geschert, dass ihnen keine wöchentlichen Auswertungen der Betriebsparameter vorgelegt wurden. Die Daldrup-Truppe bezahlte treu und brav seine Rechnungen bei der BESTEC, geschweige denn kündigten die selbsternannten Geothermie-Experten den  Dienstleistungsvertrag, was monatlich möglich gewesen wäre. Entgangen war den neuen Eigentümern wohl auch, dass der „Ringraum“ der Re-Injektionsbohrung schon seit 2010 nicht mehr überwacht gewesen sein soll. Der eigentlich drucklose „Spalt“ zwischen der Bohrlochverrohrung und der diese umgebende Betonummantelung soll einen Druck von bis zu 40bar aufgewiesen haben, wodurch das Wasser wahrscheinlich durch ein Leck in den Untergrund  gepresst wurde.

Waren Daldrup bereits bei Übernahme der ersten Anteile im Juni 2013 die Hebungen bekannt?

Ein Prozessbeteiligter, der hier nicht genannt wird, kolportierte hinter vorgehaltener Hand am Rande des Prozesses sogar, dass Daldrup schon zum Zeitpunkt der Übernahme der ersten Anteile von der ESW über die Bodenhebungen Bescheid gewusst, ihn das aber überhaupt nicht interessiert habe. Allerdings soll es seit Juni 2013 bereits bekannt gewesen sein, dass sich der Boden um das GKW angehoben hatte, so war es im Laufe der Verhandlung zu hören.

War der Dienstleistungsvertrag Basis für Geschäftsführergehalt?

Einen gewissen Witz hatte die Offensive von Curd Bems, der die Behauptung in den Raum stellte Hr. Dr. Lerch habe ihm gegenüber geäußert, der Dienstleistungsvertrag sei lediglich zur Alimentierung des Dr. Baumgärtner (BESTEC) gedacht gewesen. Schade, dass sich Hr. Dr. Lerch, der übrigens mit seinem Anwalt erschienen war, nicht mehr an das Gespräch erinnern konnte, weshalb er allerdings die Möglichkeit eine solche Aussage gemacht zu haben, nicht ausschließen wollte.

Fassen wir zusammen. Gleichgültigkeit, Ignoranz und offensichtliche Überforderung haben dazu geführt, dass hier angebliche Fachleute auf Kosten der Sicherheit der Landauer Bürger an einer Schrottanlage herumbasteln dürfen, ohne Rücksicht auf die Folgen ihres Handelns. 

Es gäbe noch viel zu berichten. Die Urteilsverkündung, auch beim zweiten Verfahren, bei dem es um unbezahlte Stromrechnungen geht, erfolgt am 24.07.2015. Die Vertreter der BI Geothermie Landau-Südpfalz werden wieder vor Ort sein. Wir sind gespannt.

© 2017 Geothermie - Landau i.d. Pfalz