Geothermie Landau

Fragwürdiges Dampf-Gutachten 31.07.12

Fragwürdiges Dampf-Gutachten

„Immissionsprognose für Radionuklide, Notkreislaufbetrieb“ (1)

In dieser von Herrn Dr. Enderle bearbeiteten Immissionsprognose der SGS-TÜV GmbH (2) sollen durch eine Ausbreitungsberechnung die Immissionskonzentrationen der Radionuklide und deren Deposition berechnet werden.

 

(1) Die Bezeichnung „Notkreislauf“ ist irreführend:

Beim sogenannten „Notkreislauf“ wird ein großer Teil des Tiefenwassers als Dampf aus dem Tiefenwasserkreislauf in die Umwelt abgegeben. Daher ist die Bezeichnung „Kreislauf“ schlichtweg falsch.

Nach unseren Beobachtungen in Landau wurden mit den Zirkulationstests in 2005 bis 2007 und nach der Inbetriebnahme im Jahre 2007/2008 bis heute ca. 50.000 Tonnen Tiefenwasserdampf in die Umwelt emittiert.

Allgemein:

Mit einem Anteil von bis zu 80% sind radioaktive Zerfallsprozesse die wesentliche Quelle für die Erdwärme in der Erdkruste im Oberrheingraben und damit auch für die Wärme des Tiefenwassers. Das Geothermie-Kraftwerk ist demnach prinzipiell ein natürliches Atomkraftwerk mit den entsprechenden Gefahren und Risiken.

Historie:

Geothermie-Kraftwerk Insheim, Zirkulations-Tests im April 2010:

Der aus zwei Kaminen emittierte Tiefenwasser-Dampf (3) wurde durch den starken Ostwind auf Bodenniveau gedrückt. Anwohner und Besucher berichteten von einem Azeton/Benzol-artigen Geruch und Atemnot.

Ein betroffener Anwohner:

Wenn der Dampf über unseren Garten kommt, müssen wir ihn verlassen. Nicht auszuhalten.

Erst nach der Strafanzeige (BI Landau Ende 2010) wegen möglicherweise umweltschädlichen und klimaschädlichen Inhaltstoffen im emittierenden Tiefenwasser-Dampf in Landau wurde das LGB-RLP aktiv. Das LGB forderte ein Gutachten beim Betreiber des Goethermie-Kraftwerkes Landau an. Ansprechpartner beim LGB-RLP ist Herr Zewe.

Die Strafanzeige der BI aus dem Jahre 2010 wurde nach Auskunft der Staatsanwaltschaft in Landau kürzlich einem anderen Staatsanwalt übergeben, der sich erst einarbeiten muss…

Im Auftrag des Betreibers untersuchte die SGS-TÜV GmbH den emittierenden Dampf Ende 2011 auf Radionuklide und erstellte das zweifelhafte Gutachten.

Bei der Beschreibung der Aufgabenstellung stellt das Gutachten fest:

Über zwei Kamine werden Wasserdampf, Wassertröpfchen, Radionuklide, Kohlendioxid und Radon emittiert".

Das Tiefenwasser enthält noch andere umwelt- und gesundheitsschädigende Inhaltstoffe.

Warum wurden die hier nicht erwähnt oder ausgeschlossen?

Nach unseren Beobachtungen emittierten über zwei Kamine seit den ersten Tests im Jahre 2005 in Landau, nach unseren Aufzeichnungen, geschätzte 50.000 Tonnen Dampf, in die Umwelt, ohne vorherige Prüfung möglicher Auswirkungen auf die Umwelt.

Nach Gutachten ist die Hauptwindrichtung Südsüdwest und Nordnordost (Gutachten „ Nordnordwest“: stimmt nicht mit der Abb.5.1 überein) geprägt. Damit liegt auch die Landesgartenschau 2014 in Landau und der geplante „Wohnpark Am Ebenberg“ im direkten Ausbreitungsgebiet der Dampfemissionen.

Mögliche Inhaltstoffe des Tiefenwassers und des Dampfes:

u.a. Natrium, Kalium, Calcium, Quecksilber, Blei, Arsen, Methan, Radionuklide, Kohlendioxid, Cyanid, Bakterien

Analyse-Institute halten eine kontinuierliche Messung der Inhaltsstoffe des Tiefenwassers für unabdingbar. „Man weiß nicht wann und was von unten hoch kommt

Wir stellen folgende Fragen:

  1. Warum sind fachliche Qualifikation und Voraussetzungen zur Erstellung des Gutachtens durch Herrn Dr. Enderle (Meterologe?) für die im   Gutachten notwendigen Sachgebiete Messtechnik, Verfahrenstechnik nicht beschrieben?
  2. Warum bewertet das Gutachten nur Radionuklide und nicht ganzheitlich die möglichen gesundheits- und umweltschädlichen Inhaltsstoffe des emittierenden Tiefenwasserdampfes und deren Auswirkungen auf die Umwelt?
  3. Warum wurde die Probenahmestelle, der Meßquerschnitt, Strömungsgeschwindigkeit, Druck, Messunsicherheiten- für ein qualifiziertes Gutachten erforderlich- nicht nachvollziehbar offenbart?
  4. Es fehlt die Diskussion der Meßergebnisse, Bewertung der Meßunsicherheiten und die Plausibilitätsprüfung.
  5. Aus der geringen Anzahl der entnommenen Proben lässt sich keine statistische Auswertung generieren.Laut Gutachten wurden beim Betriebszustand W nur zwei Proben und beim Betriebszustand N sogar nur eine Probe genommen!  Gutachten: „Die Probenzahl ist durch das Fassungsvolumen der Auffangbecken begrenztDiese Argumentation ist unglaubwürdig und wird durch unsere Beobachtungen und vorliegende Dokumentationen widerlegt. Bereits hier wird das Gutachten unglaubwürdig und damit unbrauchbar.
  6. Warum wurde der Emissionsmassenstrom des Dampfes so niedrig angesetzt? Der Emissionsmassenstrom bei der Probenahme betrug nur 1 kg/ s ( Dampf). Wir schätzen den Dampfmassenstrom im Störfall auf mindestens 50 -80 kg/ s. Damit sind die der Immissionsprognose und der Dosisberechnung zugrundegelegten Berechnungsgrundlagen, auf Basis der Proben, unbrauchbar.
  7. Aus dem Gutachten geht nicht hervor, ob das Tiefenwasser über die Filter (2) geführt wurde oder über den Filter-Bypass (2.1). (siehe Anlage 4, Fließschema, Quelle: geo x GmbH) Nach Fließschema können die Filter im Bypass über 2, 2.1,2.3 umgangen werden. Somit ist die Probenahme ohne Filterbetrieb erforderlich. Im Gutachten nicht offenbart.

Fazit:

  1. Dem fragwürdigen Gutachten fehlen wesentliche Merkmale eines glaubwürdigen und nachvollziehbaren Gutachtens.
  2. Die errechneten Immissionsbelastungen basieren auf unrealistische Emissions-massenströmen, nicht nachvollziehbaren Emissionszeiten, einer unrealistischen Immissionsverteilung und fragwürdigen Berechnungsgrundlagen aus dem Bergbau.
  3. Nur eine Langzeitmessung der Inhaltsstoffe des Tiefenwassers und des Dampfes ermöglichen eine fundierte Aussage über Immissionen. Die dem Gutachten zugrunde gelegten eins bzw. zwei Proben sind nicht aussagefähig.
  4. Das Gutachten enthält Widersprüche und ausweislich der oben aufgeworfenen Fragen grobe handwerkliche Fehler und hält unseres Erachtens einer unabhängigen, fachlichen Bewertung nicht stand.

 

Emittierte Dampfmenge bei der Probenahme signifikant geringer als beim Störfall oder beim An-oder Abfahren des GKW

Emittierte Dampfmenge bei der ProbeentnahmeDie Tiefenwasser-Dampf-Fahne zeigt den geringen Massenstrom -laut Gutachten- von nur 1000g/s

Tatsächlich emittierter Dampfmassenstrom im Störfall:

Dampfsäule, Störfall vom 19.04.201219.04.2010

Dampffahne ca. 400-500 m aufsteigend

Dampfsäule, Störfall vom 27.04.201027.04.2012 

Dampfsäule, Störfall vom 04.02.2010 Dampfsäule, Störfall vom 04.02.2010 04.02.2010

Dampfsäule, Störfall vom 27.07.201227.07.2012

Dampffahne ca. 150-300m aufsteigend

Dampf-Emission, GKW Landau, 25.11.2010

Link: http://www.youtube.com/watch?v=qV8MrGCn8rU

Quellennachweis und Anlagen:

(1) www.geox-gmbh.de/media/Downloadbereich/Immissionsprognose.pdf

(2) SGS- TÜV GmbH, Region Rhein-Neckar/Pfalz

(3) GWK Insheim

GWK InsheimInsheim, April 2010

Tiefenwasser-Dampf-Fahne reicht bis in Bodennähe der anliegenden Gärten im Süden des Kraftwerkes.Insheim, April 2010

Zirkulations-Tests mit induzierten Erdbeben

Tiefenwasser-Dampf-Fahne reicht bis in Bodennähe der anliegenden Gärten im Süden des Kraftwerkes.

(4) Fließschema

Fließschema

Ein Indiz für aggressive Inhaltstoffe des Tiefenwasser-Dampfes ist auch die massive Korrosion am Kaminausgang und die Spuren am Außenmantel.Kamin vom Separator:

Hier tritt der Tiefenwasser-Dampf beim „Notkreislaufbetrieb“ aus.

Ein Indiz für aggressive Inhaltstoffe des Tiefenwasser-Dampfes ist auch die massive Korrosion am Kaminausgang und die Spuren am Außenmantel.

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