Geothermie Landau

Ludwigshafen und Landau 20.10.16

Selbstverständlich ist die Situation und die Auswirkungen der Katastrophe in Ludwigshafen nicht auf die Landauer Verhältnisse übertragbar, aber Berührungspunkte gibt es durchaus. Wir, die Vertreter der „BI Geothermie Landau – Südpfalz e. V.“ beobachten mit Besorgnis das völlig inakzeptable Verhalten der politisch Verantwortlichen in Stadt und Land und fordern angesichts der Katastrophe in Ludwigshafen die sofortige Beseitigung in Form eines Rückbaus des Geothermie – Kraftwerks Landau am Rande eines Wohngebiets.

Vermutlich hat das Handeln inkompetenter Fremdfirmenmitarbeiter, die an einer nicht ausreichend mit Inertgas gespülten Rohleitung Schweißarbeiten ausführten, zu der Katastrophe geführt. Eine ähnliche Situation gab es auch kurz nach der Inbetriebnahme des GKW, als ein nicht unterwiesener Mitarbeiter einer Firma im Ex – Bereich des Kraftwerks Schweißarbeiten ausführen wollte und nur das Auslösen eines Brandmelders wahrscheinlich eine Katastrophe verhinderte. Die Landauer Feuerwehr, die  den Vorfall bei den zuständigen Stellen monierte, auch der jetzige OB Hirsch wurde informiert, konnte offensichtlich nicht erreichen, dass die sowohl damaligen Betreiber, als auch der jetzt für den Betrieb zuständige Bohrunternehmer Daldrup nachhaltige Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen haben.

Seit Jahren kritisiert die BI Landau das Fehlen einer Möglichkeit zur Spülung der Rohre im Iso – Pentan führenden ORC – Kreislauf mit einem Schutzgas. In der Regel wird dafür Stickstoff zum Verdrängen von Sauerstoff herangezogen, besser ist allerdings das Edelgas Argon dazu geeignet. Leider sieht die SGD – Süd nicht die Möglichkeit als gegeben an eine solche, sicherheitsrelevante Installation anzuordnen. Dabei gilt das GKW momentan immer noch als in Bereitschaft befindlich, da der Transmitter Iso – Pentan, der mit den Verbindungen Ethylen und Propylen, die in Ludwigshafen explodierten, eng Verwandt ist, sich immer noch in der Anlage befindet. Überhaupt ist das in Zusammenarbeit mit dem TÜV – Süd erarbeitete Sicherheitskonzept für das GKW ein schlechter Witz. Eine völlig überforderte Belegschaft soll weitreichende, sicherheitsrelevante Maßnahmen durchführen, ohne dafür ausreichend qualifiziert zu sein, wie eine Überprüfung der Anlage unter den Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung zeigt. Wichtige Unterlagen konnten vom Betreiber nicht vorgelegt werden, oder waren diesem gänzlich unbekannt.

Die Verantwortlichen bei der Stadt, allen Voran der OB, der Leiter des zuständigen Stadtbauamts, Herr Kamplade und der zuständige Bürgermeister, Herr Dr. Ingenthron, tuen alles Menschenmögliche daran um die Diskussion um das Kraftwerk unter der Decke zu halten. Wie jüngst bei einer Recherche herauskam, wird das Landauer Kraftwerk auf der Liste der Betriebe geführt, die unter die „Seveso – Richtlinien“ fallen. Auf Anfrage teilte die SGD – Süd mit, dass die europäische „Seveso – Richtlinie“ im Rahmen einer Änderung des Bundes - Immissionsschutzgesetzes und der Störfallverordnung in nationales Recht umgesetzt wurde. Das dürfte vor allem potentielle Investoren, aber auch die Besitzer von Immobilien auf dem Gelände des „Wohnparks am Ebenberg“ interessieren. Ob diese Informiert worden sind, entzieht sich unserer Kenntnis.

Ähnlich bedenklich stellt sich die Situation im benachbarten Insheim dar, wo es im vergangenen Jahr zu einem Zwischenfall mit dem Transmitter Iso – Pentan kam. Zum Unterschied zu Landau wird Insheim allerdings nicht auf der besagten „Seveso –Liste“ geführt. Nach Aussage der SGD – Süd ist dafür eine fehlerhafte Karte verantwortlich, die inzwischen überarbeitet worden, allerdings noch nicht zum Abruf freigegeben worden sei. Laut Aussage der SGD – Süd wird auch das Kraftwerk in Insheim auf der Liste der Störfallbetriebe geführt. Immerhin wurde im Nachgang zu den Ereignissen in Insheim, der auch schon in Landau tätige damalige Geschäftsführer, Herr Dr. Lerch, vom „Leuchtturmprojekt“ Geothermie abgezogen. Ob seine absolut indiskutable Informationspolitik und seine in diesem Zusammenhang als völlig inkompetent anzusehenden Verlautbarungen Grund dazu gaben, ist zwar nur Spekulation, aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen, da sein Arbeitgeber bisher dazu keine Stellungnahme abgegeben hat.

Wir richten an alle Verantwortliche den Appell endlich mit dieser Stilblüte einer völlig verfehlten und gänzlich konzeptionslosen Energiepolitik Schluss zu machen und endlich die Sicherheit der Bürger dem Wohl und den finanziellen Interessen irgendwelcher Unternehmer überzuordnen.

Gez.

 

Thomas Hauptmann

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